Yoga im Wandel - Ein Kommentar

Yoga im Wandel - Ein Kommentar

Der Yoga war ursprünglich im Herzen des religiösen Systems angesiedelt. Die Lehre des Patañjali weist eine große Nähe zum Buddhismus auf. Beide, sowohl Patañjali als auch Buddha, widmen sich dem nach innen gerichteten Weg zur Loslösung vom menschlichen Leiden hin zur befreienden Erkenntnis. Schon im zweiten Sutra (=Leitfaden) gibt Patañjali die universelle und zeitlose Definition: „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der geistigen Tätigkeiten.“ In der Geschichte legt der Gott Krishna dem Kriegshelden Arjuna den Weg des Yoga dar. Ein ganz wesentlicher Gedanke Krishnas Belehrung besagt, dass der Mensch die Umstände annehmen muss, unter denen er geboren wurde, also Herkunft, Gesundheitszustand und Grad des Wohlstandes, um dann das Beste daraus zu machen.

Zwischen dem 2. Jahrhundert vor und dem 2. Jahrhundert nach Christus entsteht das klassisch-philosophische Yoga. Es basiert auf den Yoga-Sutras des indischen Gelehrten Patañjali und die Meditation gewinnt eine zentrale Bedeutung. Der Hatha-Yoga, im 9. Jahrhundert n.Chr. entstanden, führt die Lehre weiter und wurde durch die Nath-Yogins geprägt. Die Meister des Hatha-Yoga entwickelten einen komplexen Übungsweg mit Körperhaltungen, Reinigungsübungen, Atemtechniken, Konzentrationen und Übungen, die die Stimme mit einbeziehen. Die vielfältigen Erscheinungsformen der menschlichen Natur sowie die Stärken und Schwächen der menschlichen Psyche wurden berücksichtigt. Dies erklärt wohl auch, dass der „Körperyoga“ auch heute immer noch die Menschen in aller Welt fasziniert.

Doch was genau fasziniert die westliche Welt am Yoga? Welche Motivationen haben Menschen, um sich auf die Yogamatte zu begeben? Rückenschmerzen, Verspannungen, Arthrose, Schlaflosigkeit und der Wunsch nach Entspannung? Oder ist es einfach, weil Yoga gerade im Trend liegt? Es ist hipp seinen Körper zu verrenken, sich in schwierigen Asanas fotografieren zu lassen und die Fotos online zu stellen… Yoga hat sich zu einem Volkssport entwickelt. Früher lernte ein Yogaschüler 12 Jahre bei seinem Guru die klassische Yogalehre und komplexe Asanas wurden erst nach vielen Jahren erlernt, während heute oft schon Anfänger unreflektiert dazu aufgefordert werden. Meiner Meinung nach ist es ein großes Problem, dass es keine einheitlichen Kriterien für die Ausbildung zum Yogalehrer gibt. Vielen Yogalehrern fehlt es an grundlegenden anatomischen Kenntnissen, oft wissen sie nicht mit bereits bestehenden körperlichen Einschränkungen der Schüler umzugehen, was leider negative Folgen hat. Die Klassen sind meist (von 15 bis 30 Schülern) zu voll, um auf die Bedürfnisse des Einzelnen eingehen zu können. Dies führt zu Negativschlagzeilen über Yoga und einer falschen Auffassung von Menschen, die sich nicht trauen in eine Yogastunde zu gehen obwohl es ihnen so viel geben würde.

Yoga unterliegt dem Wandel und infolgedessen hat es sich an die neuen Umstände angepasst. Allerdings sollte Yoga nicht zu einer Extremsportart umfunktioniert werden, bei der sich alles nur um das Ego dreht. Leistungsdruck und Konkurrenzdenken sind da fehl am Platz. Yoga erfordert Zeit, Geduld und Achtsamkeit mit sich und dem eigenen Körper. Zu dem ganzheitlichen Ansatz von Yoga kann man stehen wie man will. Ich bin nicht der Meinung, dass man sich vegetarisch oder genauer, nach der ayurvedischen Küche ernähren muss, um ein „guter Yogi“ zu sein. Die Yoga-Philosophie und verbundene Ethik sollte jedoch im weiteren Wandel nicht verloren gehen.

Ich möchte hier ganz klar sagen: Yoga, kann jeder praktizieren, wenn der Unterricht an die eigenen Bedürfnisse angepasst wird! Es ist belanglos, mit welchem Alter der Einstieg stattfindet genauso wie die körperliche Konstitution und vorhandene Erkrankungen. Inzwischen gibt es so viele verschieden Yogastile und Unterrichtsformen, das für jeden etwas dabei ist. Allerdings sollten sich Menschen mit körperlichen Einschränkungen und Späteinsteiger vor dem Besuch einer Yogastunde einen medizinischen Rat einholen. Lasst euch nicht abschrecken von den Verrenkungen und Mantra Gesängen. Yoga hat viele Gesichter und es wird für so manchen eine echte Überraschung sein, was eine gute Yogaeinheit bewirken kann.

„Man kann den Wert von Yoga nicht beschreiben, man muß ihn erfahren.“ (B.K.S. Iyengar)

Namasté

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